Aladdin
Musical
Hamburg

OUTSIDE

Disneys Aladdin – Das Musical in Hamburg

181215 | Lisa

Seit dem 06.12.2015 verblüfft Disnays Aladdin als neues Musical in Hamburg in der Neuen Flora zahlreiche Musicalbesucher.

Licht aus, Spot an, arabische Nääääääääääääääääääääääächte… Disneys Aladdin – Das Musical startet von der ersten Sekunde an glitzernd, bunt und fulminant und aus dem Orchestergraben ertönt Ohrwurm nach Ohrwurm. „Prinz Ali-prima-wie-nie-Ali Ababwa“ ist nur einer der Songs, der einen auch bis weit nach Vorstellungsende im Kopf hängen bleibt. Eingängige Melodien und groovige Sounds – Preisgekrönte Disney Musik at its very best!

Neben der akustischen Orientparty beeindruckt auch das Bühnenbild auf voller Länge! Die opulente Glitzerexplosion von Gold, Pink und Türkis kratzt zwar hart am Kitsch, verzaubert das Publikum aber augenblicklich, und dank eines ausgeklügelten Falltür- und Seilzugsystems im Bühnenboden rotieren, bewegen und verschwinden große Kulissenelemente und Darsteller wie von Zauberhand. Die wuseligen Straßenszenen aus Agrabah, magische Höhlen und weitläufige königliche Gemächer wurden mit großer Liebe fürs Detail gestaltet und geben der relativ kleinen Bühne eine neue Dimension.

Groß gedacht wurde auch bei den königlichen Gemächern. Prinzessin Jasmin besitzt das gewaltigste Schlafzimmerfenster der Welt, aus dem sie zu Aladdin auf den fliegenden Teppich steigt und sie gemeinsam bei einer wahnsinnig romantischen Spritztour einem riesigen leuchtenden Mond und unzähligen glitzernden Sternen entgegen schweben. Wie schön!

Am Boden wird derweil fleißig herumgefunkelt. Die farbenprächtigen und stoffreichen Kostüme sind allesamt über und über mit Glitzersteinen bestickt. Von den Schuhen, über Pluderhosen, Westen, bis hin zu den Turbanen. Alles funkelt und glitzert. Bei so viel Blinkblink wirkt Disneys Zeichentrickfilm aus den frühen Neunzigern wie ein schmuckloser, grauer Streifen, wobei der Film dem Musical in einer Angelegenheit immer noch weit voraus ist: Nämlich authentischen Charakteren.

Der systematische optische und akustische Overload der Bühneninszenierung kaschiert die zum Teil recht flach angelegten Rollen.

Da sind zum Beispiel Aladdins treue, wenn doch fragwürdige Weggefährten. Drei junge, überambitionierte Männer, einer in roter, einer in grüner und einer in blauer Glitzerrobe und damit ein Stück zu nah an Tick, Trick und Track, sind von Anfang bis Ende dabei, haben minutenlange Tanz- und Kampfszenen, um dann wieder zu verschwinden, ohne die Handlung ansatzweise beeinflusst zu haben. Es scheint fast so, als wären die Drei als Bühnenfüllwerk in das Stück hineingeschrieben worden. Dafür wurde aber konsequent an anderen Rollen gespart. So wurde auf den keinen Affen Abu, den vorlauten Papagei Jago und den königlichen Tiger Rajah, immerhin die „Bezugstiere“ der Hauptfiguren, verzichtet. Als Ersatz gibt es für die Prinzessin drei hübsche, multikulturelle Zofen und für den Großwesir Dschafar einen krakeelenden Mini-Assistenten in XXL-Pluderhose, der zumindest denkt, er sei ein Papagei.

Prinzessin Jasmin ihrerseits kommt mit auffälligem Sixpack und portugiesischem Akzent um die Ecke und leider schwingt in ihrer Sprechstimme oft ein hysterischer Unterton mit. Okay, wenn man partout nicht jeden dahergelaufenen Prinzen heiraten möchte und es einfach niemand versteht, darf man auch mal hysterisch werden, aber auch als sie sich eigentlich überglücklich in die Arme ihres Auserwählten wirft, fehlt die verzaubernde Wärme einer happy Prinzessin. Für eine Figur mit solcher Wichtigkeit wünscht man sich sehnlichst mehr Gutmütigkeit.

Auch Aladdin, im Zeichentrickfilm ein sympathisch-unbeholfener Charmebolzen von der Straße, wirkt im Musical manchmal affektiert und hochmütig. Er scheint sich von Beginn an sicher zu sein, dass er am Ende die Prinzessin kriegt, was der Zuschauer ja eigentlich nicht merken sollte.

Zum Glück gibt es noch den magischen Dschinni aus der Lampe, dessen Rolle locker für eine eigene Show reichen würde. Unter Zuhilfenahme ironischer Bemerkungen zu RTL-Formaten, und Elbphilharmonie, sorgt er beim wohlwollenden Publikum für jede Menge Lacher. Die Authentizität eines 10.000 Jahre alten Flaschengeistes bleibt zwar durch lustige Seitenhiebe auf die aktuelle Weltpolitik etwas auf der Strecke, aber auch schon der original blaue Disney Dschinni von 1992 war ein lustiger Typ, der sich für Aladdin schon mal fix eine Steuerklärung aus den Fingern sog. Der beliebte Charakter erntet auch bei der Standing Ovation nach dem großen Finale extra lauten Applaus und viele begeisterte Zurufe.

Alles in Allem ist Disneys Aladdin – Das Musical eine spektakuläre, bunte Inszenierung einer zeitlosen Geschichte mit aufwändigem Bühnen- und Kostümbild, sowie einem hochmotivierten Darstellerensemble mit viel Tanz und Sinn für Humor.

Eins sei jedoch gesagt: Wer nicht wie aus der Pistole geschossen und mit vollem Einsatz verkünden kann, ein leidenschaftlicher Musical- oder großer Disneyfilmfan zu sein, sollte das Investment in Eintrittskarten (Kategorie Premium am Samstag für 170,00 Euro pro Person) nochmals gründlich überdenken.

Für alle anderen gilt: „Trau’ dich nur, komm vorbei, geh zum Teppichverleih und fliegt hin zur arabischen Naaaaaaaaaaacht!“